Firmengeschichte - Karl Gottlieb Wobst



Im Frühjahr 1850 kaufte sich der aus der Lochschenke in Nieder-Neukirch, einer bäuerlichen Wirtschaft mit Ausschank, stammende Karl Gottlieb Wobst, genannt Lochs Großer, für 35 Taler ein Pferd und wurde Fuhrmann. Der Kaufpreis verschlang nicht nur seine bescheidenen Ersparnisse, sondern zwang ihn darüber hinaus, einen Teil seiner persönlichen Habe zu veräußern. Der junge Fuhrmann hatte alles auf eine Karte gesetzt. Seine Vorfahren waren neben ihrer Feldarbeit mit Schubkarren und Handwagen über Land gezogen und hatten im näheren Umkreis Waren transportiert, ohne dabei Reichtümer zu sammeln. Lochs Großer aber glaubte, mit seinem 35-Taler-Fuchs und der eigenen Arbeitskraft den alten Kreislauf von Plackerei und Armut durchbrechen zu können. Mancher seiner Nachbarn mochte diesen Versuch mit ungläubigem Kopfschütteln betrachtet haben. Doch Karl Gottlieb Wobst war nicht gesonnen, angesichts anfänglicher Schwierigkeiten und skeptischer Voraussagen die Fuhrmannspeitsche wieder aus der Hand zu legen.

    Karl Gottlieb Wobst

Als sich ihm die Möglichkeit von Warentransporten nach Dresden und sogar zur Leipziger Messe bot, griff er beherzt zu. Daneben übernahm er Holz- und Steinfuhren in der Umgebung seines Heimatdorfes. Arbeitsfreude und Einsatzbereitschaft hatten ihm bald einen guten Ruf verschafft, so dass auch die Singwitzer und Bautzener Pulverfabrikanten auf ihn aufmerksam wurden. Ein Schwarzpulvertransport mit Pferd und Wagen war damals ein höchst gefährliches Unterfangen, bei dem der Fuhrmann auf schlechten Straßen jeden Augenblick sein Leben aufs Spiel setzte, und es gab nur wenige, die sich dazu bereit fanden. Karl Gottlieb Wobst fuhr Pulver in die Steinbrüche von Meißen, auf die Kohlenzechen des Plauenschen Grundes, nach den erzgebirgischen Bergwerken und sogar in das oberschlesische Industrierevier - siehe Bild unten -, wobei ein Transport 21 Tage dauerte.

1900 - Pulvertransport nach Oberschlesien